
Haben Sie den Film «Die Heldin» schon gesehen? In einer Art Shadowing folgt die Kamera der Pflegefachkraft Floria während der Nachtschicht durch die chirurgische Station eines Schweizer Spitals. Allein verantwortlich für zu viele Patient*innen entwickelt sich die Schicht auch wegen eines persönlichen Fehlers bei der Medikamentenvergabe in kafkaeske Dimensionen.
Titel und Film fokussieren stark auf die Hauptfigur, die durch ihren heroischen Einsatz für die Patient*innen aufopferungsvoll Vieles kompensiert. Dem organisational sensibilisierten Kinobesucher erschließt sich intuitiv, was Statistiken ohnehin verheißen: Der Umgang mit widersprüchlichen Anforderungen wie zwischen medizinischer Qualität und Wirtschaftlichkeit macht Krankenhäuser zu «permanently failing organizations», denen zukünftig massiv eben jene Defizite kompensierende Fachkräfte fehlen werden.
Der reflexartige Blick Richtung Politik in der Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen und sinnvolle Steuerung ist inzwischen schon Teil der Endlosschleife. Aber: Es gibt zwischen diesen Expertenorganisationen deutliche Unterschiede in der Leistungsfähigkeit. Dieser Umstand deutet auf einen blinden Fleck hin – nämlich Organisation und Führung –, der geradezu nach Organisationsentwicklung schreit.
In diesem Heft verschließen wir nicht die Augen vor den schwierigen Rahmenbedingungen, sondern nehmen diese zum Ausgangspunkt, um anhand konkreter Fälle zu skizzieren, wie an der Zukunft von Organisationen des Gesundheitswesens gearbeitet wird. Hierbei fällt auf: Vielfach ist nicht das Problem das Problem, sondern die Art und Weise wie die Organisationen damit umgehen.
Der Schwerpunkt eröffnet u. a. mit dem Hinweis, dass die Versuche die widersprüchlichen Anforderungen in Krankenhäusern zu balancieren zumindest die Chance bieten, trügerische Steuerungs- und Kontrollfantasien zu entlarven. Im Gespräch mit drei CEOs aus Universitätsspitälern reflektieren wir kritisch zentrale Themen der Führung, Digitalisierung und der Grenzen der Transformation. Fallstudien zu Strategie- und Organisationsdesignentwicklung, dem Aufbau eines Versorgungsnetzwerks, der Einführung von Lean Management und Prozessoptimierungsprojekten geben einen tiefen Einblick in praktische Organisationsentwicklungsarbeit im Krankenhaus-Kontext. Außerhalb des Heftschwerpunkts setzen wir uns mit der Führungsfloskel des «Das nehme ich mal mit…» auseinander, schauen wie New Work partizipativ gestaltet, Leitbilder entwickelt und Design Thinking zur Organisationsstrukturentwicklung eingesetzt werden kann.
Wir wünschen frühlingshafte Freude bei der Lektüre!
Herzlichst, Ihr
Thomas Schumacher
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